Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Der Historische Sessionssaal

Blick in den Historischen Sessionssaal

Blick in den Historischen Sessionssaal

Der Historische Sessionssaal

Im Rahmen der umfangreichen Bausanierungs- und Restaurierungsarbeiten am Universitätsplatz seit Anfang der 90er Jahre wurden zahlreiche historische Räumlichkeiten wieder hergestellt. Seit der Gründung der Kustodie gehörte es zu den Aufgaben dieser museologisch-kunstwissenschaftlichen Einrichtung den zentralen Kunstbesitz wieder zusammenzutragen, wissenschaftlich zu bearbeiten und restaurieren zu lassen. Eines dieser Ergebnisse ist die Zusammenführung aller Gelehrtenporträts, die im alten Sessionssaal des Senates hingen. Nach einer kriegsbedingten Odyssee – die Gemälde waren infolge des 2. Weltkrieges von den amerikanischen Besatzungstruppen als Kriegsbeute requiriert worden – kamen sie 1961, wenige Wochen vor dem Mauerbau wieder an die hallesche Universität. Einige wurden vorübergehend in der Aula aufgehängt, andere an einzelne Einrichtungen der Alma mater verteilt, bzw. die Porträts  politisch unerwünschter Persönlichkeiten verschwanden im Magazin des Universitätsarchivs.
Nach punktuellen Restaurierungen vergangener Jahrzehnte wurden in Vorbereitung auf die Wiedereinrichtung dieses historischen Saals alle Gemälde generalrestauriert, mit Goldrahmen versehen (die alten waren Kriegsverlust), ebenso das Mobiliar und die aufgestellten Plastiken aufgearbeitet. Schließlich wurden nach vorhandenen archivalischen Vorlagen historisierende Stühle angefertigt. Nach diesen grundlegenden kunsthistorisch-restauratorischen Vorarbeiten begann die bauliche Sanierung nach denkmalpflegerischer Konzeption. Der ehemalige Leiter der Zentralen Kustodie und Kustos der Universität, Dr. Ralf-Torsten Speler erarbeitete die Raumkonzeption anlehnend an den Hängungsvorschlag von 1836. Auf der Südwand wurden in barocker Hängung in drei Reihen die bedeutenden Gelehrtenporträts aus dem 17. und 18. Jahrhundert angebracht. 16 der 18 Gemälde stellen die wichtigsten Rektoren zwischen 1694 und 1768 dar.

Im Zentrum des historischen Sitzungssaals hängt über einem runden Empire-Tisch ein prunkvoller Lüster aus böhmischem Bleikristall, der dem Raum einen festlichen Glanz verleiht. Die Öffentlichkeit kann diesen Raum im Rahmen von Führungen durch das Universitätsmuseum und Hauptgebäude besichtigen und die Universität nutzt den kleinen Festsaal für repräsentative Zwecke, Gesprächsrunden oder Veranstaltungen des Rektorats mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur.

Die Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts

1. Reihe von links nach rechts:

Johann Wilhelm Baier, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1695

Johann Wilhelm Baier, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1695

Johann Wilhelm Baier (1647–1695)
Theologische Fakultät, 1. Rektor der neugegründeten Friedrichs-Universität zu Halle
Der 1694 als Professor primarius nach Halle berufene Theologe Baier war der erste Prorektor der Fridericiana. Als Vertreter der gemäßigten lutherischen Orthodoxie konnte er sich mit dem durch Joachim Justus Breithaupt und August Hermann Francke vertretenen Pietismus nicht abfinden, weshalb er bereits 1695 als Hofprediger und Hauptpastor nach Weimar ging. Das Gemälde ist das erste Rektorenbildnis, das die Porträtgalerie hallescher Gelehrter eröffnet.

Friedrich Hoffmann, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700.

Friedrich Hoffmann, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700.

Friedrich Hoffmann (1660–1742)
Medizinische Fakultät, 3., 13., 25., 35. und 51. Rektor
Hoffmann wurde 1692 als Gründungsprofessor der Medizinischen Fakultät, deren Statuten er verfasste, an die Fridericiana berufen. Der als „zweiter Hypokrates“ bzw. als „Aesculapius Hallensis“ bezeichnete Gelehrte begründete ein iatromechanisches System, das auf die rationale demonstrative Darstellung der gesamten medizinischen Wissenschaften abzielte. Große  Verdienste erwarb er sich um die praktische Heilkunde. Er wurde 1709 zum Leibarzt des ersten preußischen Königs berufen und kehrte 1712 wieder an die Universität zurück. Bis heute sind die Hoffmanns-Tropfen allgemein bekannt.

Christoph Cellarius, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700.

Christoph Cellarius, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700.

Christoph Cellarius [Keller] (1638–1707)
Philosophische Fakultät, 4. Rektor
Christoph Cellarius wurde im Jahre 1693 als Professor „Historiae et Eloquentiae“ nach Halle berufen. Hier arbeitete er vor allem auf dem Gebiet des römischen Altertums. In seiner bedeutenden Schrift Historia Universalis (1702) gliederte er die Geschichte in Alte, Mittelalterliche und Neue. Als Professor der Beredsamkeit hielt er im Namen der Professorenschaft die Laudatio anlässlich der Gründungsfeierlichkeiten der Universität in lateinischer Sprache. Er lieferte den Entwurf für die Statuten der Philosophischen Fakultät und war Verwalter der Universitätsbibliothek. 1697 wurde er der vierte Rektor der Fridericiana Halensis.

Heinrich (von) Bodinus, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700

Heinrich (von) Bodinus, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700

Heinrich (von) Bodinus [Bode]
(1652–1720)
Juristische Fakultät, 6. und 16. Rektor
Nach Theologie studierte Bodinus in Helmstedt Rechtswissenschaft und war nach dem Erwerb der Lizentiaten-Würde als praktischer Jurist in Regensburg, Speier und Wien tätig. Seit 1674 hielt er neben seiner juristischen Praxis auch Vorlesungen an der Universität Rinteln und Marburg. 1685 wurde er zum Professor der Rechte an der Universität in seiner Vaterstadt Rinteln ernannt und von dort im Jahre 1693 als vierter ordentlicher Professor an die Juristische Fakultät und zugleich als Konsistorialrat der in der Gründung begriffe­nen Halleschen Universität berufen. In Halle stand er allerdings im Schatten der berühmten Rechtsgelehrten Christian Thomasius und Samuel Stryck. Im Jahre 1712 wurde der frühere Adel seiner Familie durch kaiserlichen Erlass erneuert. Bodinus hatte 1699/1700 und 1709/10 das Rektoren-Amt inne.

Georg Ernst Stahl, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700

Georg Ernst Stahl, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700

Georg Ernst Stahl (1660–1734)
Medizinische Fakultät, 7. und 17. Rektor
Am 21. Oktober 1660 in Ansbach geboren, studierte Georg Ernst Stahl Medizin in Jena, war danach dort seit 1685 als Professor tätig und wurde auf Friedrich Hoffmanns Rat im Jahre 1694 als zweiter Ordinarius und Professor der Theoretischen Medizin und Pharmazie und Botanik nach Halle berufen. Stahl bekannte sich wie Hoffmann zum Pietismus. 1716 ging Stahl als Leibarzt des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. nach Berlin. Er starb dort am 14. Mai 1734.

Johann Franz Buddeus, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700

Johann Franz Buddeus, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1700

Johann Franz Buddeus [Budde]
(1667–1729)
Philosophische und Theologische Fakultät, 8. Rektor
Nach seinem Studium in Wittenberg und Jena, der erfolgten Promotion 1687 und Lehrtätig­keit nahm er zunächst das Amt eines Professors für Griechisch und Latein am Gymnasium in Coburg an. Von dort wurde er im Jahre 1693 als Professor philosophiae moralis et civilis nach Halle an die Philosophische Fakultät berufen. Seine stärkere Neigung gehörte aber der Theologie, insbesondere dem halleschen Pietismus. 1704 wurde er zum außerordentlichen Professor in der Theologischen Fakultät ernannt und nahm 1705 eine ordentliche Profes­sur in Jena an, von wo aus er als Verteidiger des Halleschen Pietismus in einem Streit mit Christian Wolff ver­wickelt war. Als sein Hauptwerk gilt die in Halle 1697 verfasste Schrift „Elementa philosophiae practicae“.

2. Reihe von links nach rechts:

Christian Thomasius, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1754

Christian Thomasius, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1754

Christian Thomasius (1655–1728)
Juristische Fakultät, 15. Rektor und 2. Direktor der Universität
Thomasius ist der geistige Vater der Universität Halle. Durch verschiedene Rechtsgutachten, unter anderem zur Verteidigung Franckes vor den Anfeindungen der Leipziger Theologischen Fakultät beim Sächsischen Hof in Misskredit gekommen, musste er 1690 das Land verlassen. In Halle fand er Aufnahme. Im Auftrag des Kurfürsten von Brandenburg Friedrich III. lehrte er als erster Professor mit großem Erfolg. Als Gelehrter war er einer der bedeutendsten Vertreter der Naturrechtstheorie.  Er hielt als erster Professor seine Vorlesungen in deutscher Sprache.

Johann Heinrich Michaelis, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, nach 1713

Johann Heinrich Michaelis, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, nach 1713

Johann Heinrich Michaelis (1668–1738)
Philosophische und Theologische Fakultät,
19., 30. und 40. Rektor
Johann Heinrich Michaelis absolvierte ab 1688 ein vierjähriges Studium in Leipzig. Als geschätzter Kenner der semitischen Sprachen begann er ab 1692 mit Unterbrechungen in Halle Vorlesungen zu halten, wurde 1696 Adjunkt der Philosophischen Fakultät, 1699 zum ordentlichen Professor für Alte Sprachen ernannt und wechselte unter August Hermann Francke in die Theologi­sche Fakultät über. Er promovierte 1717 zum Doktor der Theologie und rückte nach Joachim Justus Breithaupts Tod im Jahre 1732 zum Senior der Fakultät auf. Michaelis war auch für die Universitätsbibliothek verantwortlich und hatte sich mit der Erarbeitung eines Realkataloges mit alphabetischem Index befasst. Johann Heinrich Michaelis wurde dreimal zum Prorektor gewählt.

Johann Friedemann Schneider, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, 1. Drittel 18. Jahrhundert

Johann Friedemann Schneider, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, 1. Drittel 18. Jahrhundert

Johann Friedemann Schneider
(1669–1733)
Juristische und Philosophische Fakultät, 22. und 32. Rektor
Nach seinem Theologiestudium in Jena und 1691 erfolgter Promotion befand er sich bereits seit 1693 als Magister an der Philosophischen Fakultät in Halle, wurde 1700 Adjunkt und 1705 ordentlicher Professor Philosphiae Primae et Logici, nachdem er schon 1703 zum Doctor juris und Professor Juris Extraordinarius ernannt worden war. Er blieb bis zu seinem Tode in dieser Doppelstellung in beiden Fakultäten tätig. Schneider gab zahlreiche juristische und philosophische Schriften heraus, darunter im Jahre 1713 eine Schrift gegen Nicolaus Hieronymus Gundling.

August Hermann Francke, Öl auf Leinwand, Christoph Schütz, 1700

August Hermann Francke, Öl auf Leinwand, Christoph Schütz, 1700

August Hermann Francke (1663–1727)
Philosophische und Theologische Fakultät, 23. Rektor
Der von der Universität Leipzig wegen seiner pietistischen Auffassung verwiesene August Hermann Francke wurde durch Thomasius‘ Einfluss als Professor in die Philosophische Fakultät der neuentstehenden Universität 1691 nach Halle berufen. Als Anhänger Philipp Jakob Speners entwickelte Francke Halle neben der Aufklärung zu einem Zentrum des Pietismus in Deutschland. Der vor allem auf die praktische Verwirklichung des Christentums ausgerichtete Pietismus Franckescher Prägung fand in den bis heute noch als Franckesche Stiftungen bekannten Werk seinen konkreten Ausdruck.

Christian (von) Wolff, Öl auf Leinwand, Christian Thomasius, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1754

Christian (von) Wolff, Öl auf Leinwand, Christian Thomasius, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1754

Christian (von) Wolff (1679–1754)
Philosophische Fakultät, 27. und 54. Rektor und 3. Kanzler der Universität
Wolff ist der Begründer der deutschen Aufklärungsphilosophie. Er lehrte mit großem Erfolg von 17061723 als Ordinarius für Mathematik und Naturwissenschaften in Halle. Als Aufklärer rief er den Widerspruch des halleschen Pietismus hervor, auf deren Betreiben er am 8. November 1723 durch königliche Ordre bei Androhung des Stranges des Landes verwiesen wurde. Am 10. Dezember 1740 kehrte er mit triumphalem Beifall auf persönlichen WunschFriedrich II. von Preußen aus Marburg an die Fridericiana zurück.

Justus Henning Böhmer, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, um 1745

Justus Henning Böhmer, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, um 1745

Justus Henning Böhmer (1674–1749)
Juristische Fakultät, 29., 39. und 48. Rektor und 3. Direktor der Universität

Ebenso wie Johann Wilhelm Baier, Friedrich Hoffmann, Christoph Cellarius, Georg Ernst Stahl und Christian Wolff studierte er an der damals zweitbedeutendsten Universität Mitteleuropas, in Jena. 1698 wurde er Kandidat der Juristischen Fakultät und hielt nach bestandenem Examen und 1699 gehaltener Inaugural-Disputation Vorlesungen. 1701 zum außerordentlichen Professor und 1711 zum ordentlichen Professor der Rechte ernannt, wurde er Halles Autorität im Kirchenrecht. Er wurde 1728 nach Thomasius‘ Tod dessen Nachfolger als Direktor der Universität und wurde 1743 zum Ordinarius der Juristischen Fakultät und zum Regierungskanzler des Herzogtums Magdeburg ernannt.

3. Reihe von links nach rechts:

Michael Alberti, Öl auf Leinwand, Johann H. Rüdiger, 1754

Michael Alberti, Öl auf Leinwand, Johann H. Rüdiger, 1754

Michael Alberti (1682–1757)
Medizinische und Philosophische Fakultät, 33., 46. und 66. Rektor
Michael Alberti übernahm nach dem Weggang Georg Ernst Stahls 1716 dessen Lehrstuhl und wurde ordentlicher Professor der Medizin an der Fridericiana. Als Schüler und eifriger Anhänger Stahls machte er sich um die Verteidigung, Erläuterung und Verbreitung der von diesem begründeten animistischen Lehre in der Medizin verdient. Unter dem Rektorat Michael Albertis wurde Dorothea Erxleben (1715–1762)  promoviert.

Andreas Elias (von) Büchner, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, nach 1769

Andreas Elias (von) Büchner, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, nach 1769

Andreas Elias (von) Büchner
(1701–1769)
Medizinische und Philosophische Fakultät, 58., 71. und 80.
Rektor
Andreas Elias Büchner begann 1716 an der Universität seiner Heimatstadt Erfurt, wo er am 9. April 1701 geboren wurde, Philosophie und Medizin zu studieren, wechselte 1718 nach Halle und hörte Vorlesungen bei den Medizinprofessoren Friedrich Hoffmann, Michael Alberti, Heinrich Bass und Georg Daniel Coschwitz, erlangte 1726 in Erfurt den Magister Philosophiae und wurde im gleichen Jahr Mitglied der Leopoldina, 1735 Präses und war von 1736 bis zu seinem Tode Präsident dieser alten Akademie der Naturforscher. 1737 ernannte ihn die Medizinische Fakultät der Universität Erfurt zum ordentlichen Professor. Er wird zu den bedeutendsten Medizinern dieser Fakultät im 18. Jahrhundert gezählt. 1738 berief ihn die Akademie der Wissenschaften zu Berlin zu ihrem Mitglied. 1744 übernahm Büchner nach dem Tode Johann Heinrich Schulzes dessen Lehrstuhl als ordentlicher Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Halle. Als Mitglied der Philosophischen Fakultät hatte man ihm auch das Fach Physik übertragen. Der praxisverbundene Mediziner erwarb sich besondere Verdienste um die Pathologie und die Therapie. Er leitete die Universität dreimal als Prorektor magnificus. Büchner starb am 29. Juli 1769 in Halle.

Siegmund Jacob Baumgarten, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1757

Siegmund Jacob Baumgarten, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1757

Siegmund Jacob Baumgarten
(1706–1757)
Theologische Fakultät, 61. Rektor

Baumgarten war Schüler der Franckeschen Stiftungen und studierte seit 1724 an der halleschen Universität Theologie. Er unterrichtete zugleich in den Waisenhausschulen. Im Jahre 1728 wird er Gotthilf August Franckes Adjunkt im Predigtamt, 1732 zugleich Adjunkt der Theologischen Fakultät und 1734 ordentlicher Professor. Er gab – als Schüler Wolffs – philosophische und später nur noch theologische Vorlesungen. Er gilt als Vermittler von Pietismus und Rationalismus. Voltaire bezeichnete Baumgarten als eine „Krone der deutschen Gelehrten“. Er war 1748/49 Prorektor der halleschen Friedrichs-Universität.

Johann Heinrich Schulze, Öl auf Leinwand, Gabriel Spitzel, um 1742

Johann Heinrich Schulze, Öl auf Leinwand, Gabriel Spitzel, um 1742

Johann Heinrich Schulze (1687–1744)
Medizinische und Philosophische Fakultät
Knapp 10 Jahre alt wurde Schulze durch Fürsprache August Hermann Franckes 1797 in das Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen aufgenommen. Er besuchte mit Unterbrechung die Latina, erlernt im Collegium orientale unter dem aus Damaskus stammenden Salomo Negri orientalische Sprachen und gehört zu den ersten Waisenhauskindern, die 1704 auf die Universität geschickt worden. Er studierte Medizin unter Friedrich Hoffmann, der ihn in seinem Haus aufnahm und dessen Schüler er später wurde. Schulze hörte auch Vorlesungen der Chemie, Theologie, Philosophie und orientalische Sprachen. 1717 promovierte er und hält danach Vorlesungen auf den Gebieten der Geschichte der Medizin, Anatomie, Physiologie und Chemie. Bei seinen chemischen Untersuchungen im Jahre 1719 in Halle entdeckte er die Lichtempfindlichkeit des Silbersalzes in dem er mit Hilfe von Schablonen einfache „Licht-Bilder“ (Photo-graphie) erzeugt. Damit wird er zum Bahnbrecher der Entwicklung der Fotografie. 1720 folgt Schulze dem Ruf als Professor für Anatomie und Wundarznei. Neben seinen vielseitigen wissenschaftlichen Studien wird er 1723 Dekan der Medizinischen Fakultät und 1726/27 Prorektor der Universität Altdorf. In seiner halleschen Zeit bekleidet er keine offiziellen akademischen Ämter. Seine erste bedeutende Veröffentlichung zur Medizingeschichte erscheint in Leipzig. 1732 nimmt er seine Lehrtätigkeit an der Medizinischen und Philosophischen Fakultät in Halle erneut auf. Er gehört zum Kreis der halleschen Pietisten. Er führt 1738 offiziell numismatische Lehrveranstaltungen ein und wird damit zum Begründer dieser wissenschaftlichen Disziplin. Aufgrund seiner vielseitigen Kenntnisse gilt er als einer der letzten Universalgelehrten seiner Zeit. Zu seinen Studenten zählte in der Medizin Anton Wilhelm Amo, der als erster Afrikaner an einer europäischen Universität in Halle im Jahre 1729 immatrikuliert wurde, 1734 in Wittenberg promovierte und von 1738 bis 1740 in Halle lehrte und Johann Joachim Winkelmann, der spätere Begründer der neueren Kunstgeschichte und klassischen Archäologie. Er war Mitglied der Leopoldina, der Akademie der Wissenschaften zu Berlin und St. Petersburg.

Johann Jacob Rambach, Öl auf Leinwand, Franz Lippold, nach 1731

Johann Jacob Rambach, Öl auf Leinwand, Franz Lippold, nach 1731

Johann Jacob Rambach (1693–1735)
Theologische Fakultät
In Halle geboren, besuchte Rambach die Latina der Franckeschen Stiftungen und studierte anschließend in Halle und Jena Theologie und Philosophie.1723 wurde er Adjunkt der Theologischen Fakultät in Halle und zugleich Inspektor des Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen. Bei den Studenten war er sehr beliebt. Zu seinen Vorlesungen im Sing- und Betsaal der Stiftungen kamen 400 bis 500 Studenten. Er wurde 1726 außerordentlicher und 1727 ordentlicher Professor der Theologie und zugleich Universitätsprediger.

Johann Georg Knapp, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1767

Johann Georg Knapp, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1767

Johann Georg Knapp (1705–1771)
Theologische Fakultät, 105. Rektor
1722 begann Knapp in Altdorf Jura zu studieren, wechselte 1723 nach Jena und 1725 nach Halle, um sich dort dem Studium der Theologie und der Alten Sprachen zu widmen. Danach unterrichtete er an der deutschen und lateinischen Schule der Franckeschen Stiftungen und wurde schließlich 1728 dort Lehrer am Kgl. Pädagogium. 1733 ernannte man ihn zum Adjunkt der Theologischen Fakultät sowie zum Direktor der Latina der Franckeschen Stiftungen. 1737 wird er zum außerordentlichen Professor und nach erfolgter Promotion im Jahre 1739 zum ordentlichen Professor der Theologie berufen. 1769 war Knapp erster Direktor der Franckeschen Stiftungen.

Die Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts

Johann Friedrich Pfaff, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1820

Johann Friedrich Pfaff, Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1820

Johann Friedrich Pfaff (1765–1825)
Philosophische Fakultät

Johann Friedrich Pfaff wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte die dortige Hohe Karlsschule und erwarb sich so bedeutende mathematische Kenntnisse, dass er von Herzog Karl Eugen von Württemberg (1728–1793) zum Studium nach Göttingen geschickt wurde. 1787 ging er zur Ausbildung in Astronomie nach Berlin und Wien. Am 7. Juni 1788 erhielt er das Bestallungs-Revers eines Professors der Philosophie und Mathematik an der Universität Helmstedt, nachdem der Mathematiker Georg Simon Klügel (1739–1812) im gleichen Jahr von Helmstedt als Professor der Mathematik und Physik nach Halle berufen wurde. Karl Friedrich Gauß (1777–1855) schrieb seine Dissertation bei Pfaff und wohnte zeitweise auch bei ihm. 1802 lehnte Pfaff einen Ruf an die Universität Dorpat ab. Nach der Schließung der Universität Helmstedt ging er 1810 zusammen mit dem Helmstedter Professor für Literaturgeschichte und Morgenländische Sprachen Paul Jakob Bruns (1743–1814) an die Philosophische Fakultät der Friedrichs-Universität zu Halle. Hier widmete sich Pfaff ausschließlich der Mathematik. Seine bedeutendste mathematische Leistung ist die Theorie der nach ihm benannten >>Pfaff’schen Formen<< beziehungsweise der >>Pfaff’schen Differentialgleichungen<< aus den Jahren 1814/15. Der berühmte französische Astronom und Mathematiker Pierre-Simon Laplace (1749–1827) soll Pfaff als den größten Mathematiker Deutschlands und seinen Doktoranden Carl Friedrich Gauß als den größten Mathematiker der Welt bezeichnet haben. Pfaff war Mitglied der Akademien der Wissenschaften zu Berlin, Göttingen, St. Petersburg und Paris. Er starb am 21. April 1825 in Halle.

Ernst Friedrich Germar, Öl auf Leinwand, Traugott Georgi, nach 1827

Ernst Friedrich Germar, Öl auf Leinwand, Traugott Georgi, nach 1827

Ernst Friedrich Germar (1786–1853)
Philosophische Fakultät, 139. Rektor

Germar erhielt 1824 an der Fridericiana eine ordentliche Professur für Mineralogie. Seine besonderen wissenschaftlichen Leistungen liegen auf dem Gebiet der Etymologie. Bedeutende Verdienste erwarb er sich während seiner 40jährigen Verwaltung der mineralogisch-paläontologischen Sammlung der Universität durch deren Bereicherung und Erweiterung. Der Oberbergrat Germar war von 1827 bis zu seinem Tode Meister vom Stuhl der Loge „Zu den drei Degen“ in Halle. Das Germar-Gemälde wurde aus politischen Gründen im Dritten Reich durch Übermalung verändert. Die vorhandenen Freimaurer-Orden auf dem Hemd und der Weste wurden laut Beleg vom 13. Juli 1936 übermalt. Die Abnahme der Übermalung und Restaurierung erfolgte 1994.

Friedrich August Gottreu Tholuck, Öl auf Leinwand, Ernst Friedrich Zeidler, 1882

Friedrich August Gottreu Tholuck, Öl auf Leinwand, Ernst Friedrich Zeidler, 1882

Friedrich August Gottreu Tholuck
(1799
–1877)
Theologische Fakultät

Nach dem Studium des Arabischen und der Indologie in Breslau und Berlin wandte sich Tholuck 1819 im Sinne der Erweckungsbewegung dem biblischen Christentum zu. Danach studierte er Theologie bei Schleiermacher, zu dem er jedoch keinen Zugang fand und dessen Antipode er wurde. Gegen den Willen der Theologischen Fakultät Halle wurde er 1825 zum ordentlichen Professor berufen. Die von ihm vertretene Theologie ist die Vermittlungstheologie.

Friedrich August Pott, Öl auf Leinwand, Susanne von Nathusius, 1902

Friedrich August Pott, Öl auf Leinwand, Susanne von Nathusius, 1902

Friedrich August Pott (1802–1887)
Philosophische Fakultät

Pott ist einer der Begründer der modernen Sprachwissenschaften, der diese allseitig zu entwickeln versuchte. Er wurde 1833 Ex­traordinarius und erhielt 1838 eine ordentliche Professur der vergleichenden Sprachkunde an der Fridericiana. Seine Verdienste liegen vor allem auf dem Gebiet der Etymologie der indoeuropäischen Sprachen. Er gilt als Begründer der halleschen Indologie.

Ludwig Ross, Öl auf Leinwand, Christian Karl Magnussen, 1874

Ludwig Ross, Öl auf Leinwand, Christian Karl Magnussen, 1874

Ludwig Ross (1806–1859)
Philosophische Fakultät
Dieses Gelehrtenporträt schuf der Porträtmaler Magnussen, der, wie der dargestellte Ludwig Ross, Schleswig-Holsteiner war. Das Bild erhielt die Universität durch das testamentarische Vermächtnis der Witwe Emma Ross. 1829 promovierte Ludwig Ross und begab sich nach Griechenland. 1833 erhielt er das Amt eines Konservators der Antiquitäten im Peleponnes. Er war von 1837 bis 1843 Professor der Archäologie an der Otto-Universität in Athen. Durch die Vermittlung Alexander von Humboldts erhielt er 1845 eine ordentliche Professur für Klassische Archäologie in Halle.

Willbald Beyschlag, Öl auf Leinwand, Susanne von Nathusius, 1915

Willbald Beyschlag, Öl auf Leinwand, Susanne von Nathusius, 1915

Willibald Beyschlag (1823–1900)
Theologische Fakultät, 171. und 198. Rektor
Beyschlag studierte Theologie an den Universitäten Bonn und Berlin. 1849 wirkte er als Hilfsprediger in Koblenz, 1850 als Pfarrer in Trier und ab 1851 als Religionslehrer an Gymnasien in Mainz. 1856 wurde er zum Hofprediger in Karlsruhe ernannt. Die Universität Königsberg ehrte ihn 1860 mit dem Dr. theol.h.c., im selben Jahr wurde Beyschlag zum ordentlichen Professor für  Praktische Theologie und neutestamentliche Exegese an der Universität Halle ernannt. Beyschlags Forschungsgebiet war das Neue Testament. Große Wirksamkeit hatte Beyschlag als Herausgeber der „Deutsch-evangelischen Blätter“, die als Zeitschrift für den „gesamten Bereich des deutschen Protestantismus“ angelegt waren. Wegen des polemischen Tones der Zeitschrift wurde Beyschlag auch einmal wegen Beleidigung verklagt.

Julius Kühn, Öl auf Leinwand, H. Zeyss, 1905

Julius Kühn, Öl auf Leinwand, H. Zeyss, 1905

Julius Kühn (1825–1910)
Philosophische Fakultät
Kühn ist der Begründer des 1863 errichteten ersten landwirtschaftlichen Universitätsinstitutes in Preußen. In 37jähriger mühevoller Arbeit schuf er in Halle ein in vier Abteilungen gegliedertes landwirtschaftliches Institut, das einen ökonomisch-botanischen Garten, einen Haustiergarten, ein großes Versuchsfeld sowie ein Tropengewächshaus umfasst und mit Laboratorien, Sammlungsräumen, Bibliothek und Lehreinrichtungen ausgestattet ist.

Ernst von Stern, Öl auf Leinwand, Susanne von Nathusius, 1925

Ernst von Stern, Öl auf Leinwand, Susanne von Nathusius, 1925

Ernst von Stern (1859–1924)
Philosophische Fakultät, 226. und 228. Rektor
Ernst von Stern war seit 1886 Professor für Klassische Philologie in Odessa und Direktor des dortigen Archäologischen Museums, für das er Anfang des 20. Jahrhunderts Ausgrabungen in der ionischen Kolonie auf der Insel Berezan durchführte. 1906 wurde er von Nikolaus II. zum kaiserlichen Staatsrat ernannt und erhielt größere Mittel für seine Forschungen. 1911 erhielt er die Professur für Alte Geschichte an der Universität Halle und schenkte dem Archäologischen Museum eine umfangreiche, sorgfältig ausgewählte Kollektion von Scherben archaischer nordionischer Keramik aus seinen Grabungen. Ab 1921 war von Stern Vertreter der Universität Halle in der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. 1923 zum Rektor gewählt, verstarb er am Ende seiner Amtszeit.

Plastiken

Martin Luther, Bronze, nach Johann Gottfried Schadow, 1818

Martin Luther, Bronze, nach Johann Gottfried Schadow, 1818

Porträtbüste Martin Luther (1483–1546)
Anlässlich des 450. Geburtstages Martin Luthers erhielt die hallesche Universität auf Antrag des Senats vom Preußischen Staatsministerium den Namen „Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg“ verliehen, nachdem in der Satzung vom 5. Juli 1930 die monarchische Namensformel „Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg“ gestrichen wurde.

Jerome Bonaparte, Marmor, Johann Christian Ruhl, 1811.

Jerome Bonaparte, Marmor, Johann Christian Ruhl, 1811.

Porträtbüste Jérôme Bonaparte
(1784–1860), König von Westfalen
(1807–1830)

Während der französischen Fremdherrschaft in Deutschland besetzten napoleonische Truppen am 14. Oktober 1806 die Stadt Halle und schlossen bereits am 19. Oktober auf kaiserlichen Befehl zum ersten Mal die Universität. Der mutige Einsatz einiger Professoren, wie August Hermann Niemeyer und Johann Christian Reil, bewirkten eine Wiederzulassung der Universität als Institution des Königreichs Westfalen. Im August 1811 erhielt schließlich die Universität von König Jérôme seine Büste als Geschenk.

Friedrich Wilhelm III., Gipsabguss, nach Christian Daniel Rauch, 19. Jahrhundert

Friedrich Wilhelm III., Gipsabguss, nach Christian Daniel Rauch, 19. Jahrhundert

Porträtbüste Friedrich Wilhelm III., König von Preußen (1770–1840)
Zum Geburtstag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. am 3. August 1832 wurde der Grundstein für das erste Universitätshauptgebäude gelegt. Der König hatte hierzu im Jahre 1827 40.000 Taler bewilligt und der Kgl. Oberbaudeputation den Auftrag zur Projektierung des Gebäudes übertragen. Dieser moderne Gipsabguss von Friedrich Wilhelm III. von Preußen stammt von der Gussform der Originalplastik. Diese befand sich seit der Einweihungsfeier 1834 unter der Musikempore in der Aula des Löwengebäudes und ist seit 1945 verschollen.

Friedrich Hoffmann, Gipsabguss nach dem Original aus der Marienbibliothek Halle, 2002

Friedrich Hoffmann, Gipsabguss nach dem Original aus der Marienbibliothek Halle, 2002

Porträtbüste Friedrich Hoffmann
(1660–1742)
Medizinische Fakultät
Die originale Alabasterbüste wurde im Jahre 1725 angefertigt. Der Mediziner Hoffmann selbst schenkte diese gemeinsam mit dem theologischen Teil seiner Büchersammlung im Jahre 1732 der halleschen Marienbibliothek. Durch Friedrich Hoffmann und Georg Ernst Stahl wurde Halle die bedeutendste Ausbildungsstätte für Mediziner in Deutschland.

Georg Cantor, Marmor, Walter Lobach, 1915

Georg Cantor, Marmor, Walter Lobach, 1915

Porträtbüste Georg Ferdinand Ludwig Cantor (1845–1918)
Philosophische Fakultät
Der Schöpfer der Mengenlehre, Georg Cantor, am 3. März 1845 in Petersburg geboren, begann seine Studien an der Technischen Hochschule in Zürich. Er setzt seine Studien in Göttingen fort und schloss sie in Berlin ab, wo er 1867 promovierte. 1869 habilitierte er sich in Halle, wurde hier 1872 Extraordinarius und 1879 neben Eduard Heine Ordinarius. Georg Cantor galt und gilt in der Fachwelt als einer der bedeutendsten Mathematiker der Welt. Nach dem Tode Cantors schenkte die Familie die Büste der Universität, die sie am Gründungstag, am 12. Juli 1928, stiftete.

Weitere Gemälde

Emil August Prinz von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1747

Emil August Prinz von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Öl auf Leinwand, Johann Christian Heinrich Sporleder, 1747

Emil August Prinz von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1722–1786)
Das im Jahre 1747 vom Universitätsmaler Johann Christian Heinrich Sporleder gemalte Bildnis des Herzogs Emil August von Holstein-Sonderburg war ein Geschenk der damals in Halle studierenden Dänen, Holsteiner und Oldenburger an den 1747/1748 amtieren­den Rektor Theodor Christoph Ursinus. Die Sonderburger Linie wurde gestiftet von Herzog Johann d. J. (gest. 1622), einem jüngeren Sohn König Christians III. von Dänemark.

Friedrich Wilhelm I., Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1740

Friedrich Wilhelm I., Öl auf Leinwand, unbekannter Maler, um 1740

Friedrich Wilhelm I., König von Preußen (1688–1740)
Das Konzilsaalbild schenkte der Soldatenkönig anlässlich seiner Krönung als Landesherr der Universität Halle. Es zeigt den Soldatenkönig als Kronprinzen. Friedrich Wilhelm I. wurde von seinem Vater, dem damaligen Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg und Begründer der halleschen Universität, zum Rector Magnificentissimus Academiae Halensis erwählt. Er zählte bei seiner Einsetzung erst 6 Jahre und hatte das Amt zunächst bis zu seinem 18. Lebensjahr inne. 1713 fand der Thronwechsel statt. 1718 kam das Amt wieder in seine Hand, und er hat es zumindest stillschweigend bis zu seinem Tode im Jahre 1740 ausgeübt.

Mobiliar und Gerätschaften

Barockkommode, Sachsen, 1756. Intarsienmotiv auf der Platte: zwei zur Sonne aufsteigende Adler mit Monogramm und Jahreszahl „MCP 1756“

Barockkommode, Sachsen, 1756. Intarsienmotiv auf der Platte: zwei zur Sonne aufsteigende Adler mit Monogramm und Jahreszahl „MCP 1756“

Barockkommode
Sachsen, 1756
Intarsienmotiv auf der Platte: zwei zur Sonne aufsteigende Adler mit Monogramm und Jahreszahl „MCP 1756“
Die Barockkommode besteht aus einem dreischübigen, in der Front zweifach geschwungenen Korpus auf gebogten Eckfüßen und wird von charakteristischem Bandelwerk geschmückt. Die Kommodenplatte ist mit dem Leitmotiv der Franckeschen Stiftungen, das sich im Tympanon des Hauptgebäudes befindet, intarsiert. Der symbolhaft dargestellte Wahlspruch Jesaja 40,31 verbindet pietistisches Gottvertrauen mit der Doppelsinnigkeit eines preußischen Adlers, der zur Sonne strebt. Das Monogramm weist auf den Besitzer hin, der dieses Möbelstück 1756 anfertigen ließ. Die Provenienz lässt auf einen halleschen Pietisten schließen, der eine enge Verbindung zu den Franckeschen Stiftungen hatte.

Heliostat aus der ehemaligen Physikalischen Sammlung, R. Fuess, Berlin, 1900

Heliostat aus der ehemaligen Physikalischen Sammlung, R. Fuess, Berlin, 1900

Heliostat (helios=Sonne, statós=stehend)
Der Heliostat ist ein physikalisches Gerät mit einem Spiegel, der das Sonnenlicht unabhängig von der Änderung der Sonnenposition am Himmel immer auf den gleichen, ortsfesten Punkt reflektiert. Die Rotation des Heliostaten erfolgt durch ein Uhrwerk. Die Strahlungsenergie wurde insbesondere in optischen Laboren angewandt, die die Zusammensetzung des Sonnenlichtes untersuchten. Dazu wurde der Heliostat außerhalb des Versuchsraums gestellt, um Lichtstrahlen in den Raum einzuleiten.

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